Wie man auf Kosten anderer lebt und diese noch applaudieren lässt

Das Rezept? Man pumpe als Präsident / Präsidentin von PT- und Volkes Gnaden Geld in die Taschen der geneigten Wähler, welches von eben diesen stammt und, da die konsumgeneigten Bürger das Geld pumpen müssen, läßt sie dazu noch (extrem hohe) Zinsen zahlen. Und was macht der zu Geld gekommene Mensch mit diesem? Er kauft sich einen LKW, den er abzahlen muss, betankt diesen mit subventioniertem Dieselkraftstoff und bietet seine Dienste an. Und weil es sich nicht nur um einen, sondern um viele LKW-Fahrer handelt, die jetzt Frachten fahren möchten, kann der, die die Frachten befördern lassen will, natürlich die Preise wegen des großen Angebotes drücken. Was wiederum den LKW-Fahrer, der keine Fracht abbekommen hat, in Schwierigkeiten bringt, da er ja seinen LKW noch abzahlen muss.

Und das Land versinkt indessen in Schulden – dazu an anderer Stelle später mehr – und die Präsidentin versucht diese Situation durch illegale Tricks zu verschleiern und wird abgesetzt. Ihr gesetzlicher Nachfolger, als Vizepräsident gewählt, wird von ihr und ihrem Vorgänger als Putschist verteufelt und dieser arme Teufel fällt bei der nicht ganz so aufgeklärten Bevölkerung sofort in Ungnade. Aber er denkt sich, viel Feind, viel Ehr und beginnt mit dem Aufräumen der Finanzen des Staates. Er hat auch durchaus Erfolg, aber finstere Mächte, die aber genau bekannt sind, verbünden sich gegen den gemeinsamen Feind, der ihnen ihre Pfründe wegnehmen will und vereiteln den wirklichen großen Durchbruch. Und bei den kleineren Errungenschaften wie der Abschaffung des Zwangsbeitrages für die Gewerkschaften, der bisher von alle Arbeitenden bezahlt werden musste, kommt ein PT-freundlicher Richter des obersten Bundesgerichtes und denkt laut darüber nach, dass man diese Abschaffung rückgängig machen sollte. Wobei er gleichzeitig verkündet, dass dazu eine monokratische Entscheidung ausreichend sei; mit anderen Worten, sein Richterspruch würde genügen. Glücklich das Land, welches unabhängige Richter hat!

Und die LKW-Fahrer? Die brauchen nach wie vor Dieselöl und Frachten. Letztere gibt es sogar etwas mehr als vorher, weil die industrielle Tätigkeit wieder angezogen hat. Aber der ehemalige Vizepräsident muss noch die gebeutelte Petrobrás aus dem Sumpf ziehen, in dem er selbst wohl auch etwas versunken ist. Münchhausen hat sich mit seinem Pferd aus einer ähnlichen Situation durch Ziehen an seinen eigenen Haaren gerettet. Das klappt im Fall der Petrobrás nicht ganz, hier helfen nur betriebswirtschaftliche Grundregeln, z.B. verkaufe nichts unter dem Vollkostenpreis, sonst machst Du Verlust. Bei Lula und Dilma war das anders, die haben durch festgehaltene Treibstoffpreise die Inflation gemindert und das Herz der Autofahrer erfreut, aber der Petrobrás haben sie damit schwere Verluste zugefügt –  von den abgezweigten Milliardenbeträgen aus der Petrobráskasse ganz zu schweigen. Und das sozialistische Argument, dass man zwar pro Liter Verlust mache, aber sehr viele Liter verkaufe, zieht auch nicht.

Der neue Petrobráschef Parente, Ingenieur und kein Politiker, hat folgerichtig die Treibstoffpreise an die tägliche Entwicklung der internationalen Preisen angekoppelt, Assets verkauft und Personal abgebaut. Dadurch konnte Petrobrás wieder Gewinn machen, der für Investitionen und Schuldenabbau dringend benötigt wird. Das sehen aber die LKW-Fahrer ganz anders. Petrobrás mache Gewinn durch überhöhte Preise an den Zapfsäulen, die dem LKW-Fahrer die Luft abwürgen. Es gehe nicht, dass man die höchsten Treibstoffpreise der Welt bezahle. Wie schön muss das Leben sein, wenn man nicht weiß, was man alles wissen könnte. Unter anderem, dass Brasilien bei den Preisen für Benzin und Diesel unter dem Weltdurchschnitt liegt.

Aber das ficht die LKW-Fahrer nicht an und sie lähmen das Land und legen es sozusagen trocken. Und die gebeutelte Bevölkerung? Unterstützt aus verständlicher Politikverdrossenheit und aus der erwähnten extremen Unzufriedenheit mit Temer den Streik. Und sieht nicht, wer die Ausgangslage geschaffen hat und wer versucht, das Land wieder auf Kurs zu bringen. Und sieht wohl auch nicht, wer versucht, die alten Zustände wieder herzustellen.

Und was macht eine Regierung, deren Chef man in den USA als lame duck bezeichnen würde? Er gibt den Forderungen der LKW-Fahrer nach, bewilligt alles, was verlangt und nicht verlangt wurde und öffnet damit das Tor für weitergehende Forderungen anderer Grüppchen und Gruppen, die ihr Süpplein am Köcheln halten wollen. Die petroleiros haben bereits einen Anfang gemacht und ihren durch Richterbeschluss verbotenen Streik begonnen. Die verhängten Strafen jucken sie nicht, denn die werden ja von einer Institiution und nicht von Personen gezahlt und außerdem wurde bisher jeder Streik nur dann beigelegt, wenn die verhängten Strafen ausgesetzt wurden.

Und das Land und seine Bürger haben laut Zeitungsberichten einen direkten Verlust von mindesten 75 Mrd. R$ erlitten, dazu kommt der internationale Vertrauensverlust, die Minderung der Wirtschaftsleistung, d.h. ein kleineres BIP-Wachstum als bis jetzt vorhergesehen, weniger Export etc. Und die Zugeständnisse an die LKW-Fahrer müssen auch noch bezahlt werden, entweder durch Subventionsabbau und/oder durch Steuererhöhungen. Der volkswirtschaftliche Gesamtkuchen wird leider nicht von alleine größer und wenn jemand ein große Stück haben möchte, bekommt ein anderer ein kleines.

Und was macht die Bevölkerung? Applaudiert den Streikenden, weil viele einfach nicht kapieren, worum es geht und wer hinter und vor den Kulissen die Strippen zieht. Wir haben zu viele Maria vai com as outras, die einfach nur nachplappern, was sie gehört haben und dem mainstream folgen. Dabei gibt es natürlich auch rationale und informierte Brasilianer, man braucht nur die Leserbriefe im O ESTADO DE SÃO PAULO zu lesen. Aber diese sind leider in der Minderheit. Ein freundlicher Blogleser aus Rio hat mir dazu passend einen link geschickt. Zum Haareausraufen! Vielen Dank für den Hinweis, Herr Breit!

EUROLATINA INTERNATIONAL LTDA.
Ihr Geschäftspartner in und für Lateinamerika