Länderrisiko Brasilien fällt und das Interesse der Ausländer, zu investieren, nimmt zu

Auf der Website von IPE DATA findet man eine Zeitreihe, die am 29.4.1994 beginnt und damit erlaubt, für einen langen Zeitraum die Entwicklung des Länderrisikos Brasilien zu überblicken. Am 30.7.2002 betrug es 2406 Punkte, da ist der Wert vom 12.1.2017 von 298 geradezu ein Lichtblick. Über das Länderrisiko schrieb ich bereits am 10.8.2006 ausführlich, als es sein historisches Tief erreichte, deshalb erspare ich mir weitere Erklärungen.

Das Risiko, dass viele Unternehmen den Anschluss verpassen, wenn Brasilien wieder unter Volldampf fährt, ist allerdings nicht kleiner geworden, denn gerade deutsche Unternehmen halten sich nach wie vor mit Investitionen zurück. Zu Unrecht, denn die arg gebeutelte Autoindustrie hat im letzten Quartal des vergangenen Jahres 15% mehr leichte Fahrzeuge als im Vorjahresvergleichszeitraum gefertigt, was Francisco Lopes, ehemaliger Zentralbankpräsident Brasiliens, veranlasste, seine BIP-Prognose auf 1,4% für 2017 heraufzusetzen und darauf zu wetten, dass das Land die Rezession im ersten Vierteljahr 2017 überwinden wird. Die sogenannten montadoras machen zwar nur 5% des nationalen BIP aus, sind aber Teil einer Lieferkette, deren Anteil wesentlich größer ist. Ein weiterer Grund für den Optimismus ist die Erntevorhersage Brasiliens für das laufende Jahr und die damit verbunden Hoffnung, dass nach einem Rückgang von 6% in 2016 das BIP des Landwirtschaftssektors 2017 um 7 bis 10% steigen wird. Der Absatz von landwirtschaftlichen Maschinen nahm im letzten Vierteljahr 2016 gegen dem von 2015 um 50% zu, der Verkauf von Erntemaschinen wuchs sogar um 80%.

Kein Wunder, dass ausländische Firmen und Investmentfonds sich für Zucker- und Alkoholfabriken in Brasilien interessieren. Diese Graphik zeigt Käufer (compradoras), Verkäufer (vendedoras), Transaktionswert (valor total) in Mio. R$ und den relativen Wert (valor relativo) in R$ pro to installierter Zuckerrohrverarbeitungskapazität. Der Artikel, dem ich diese Graphik entnahm, enthält weitere interessante Details über den Sektor, hier lesen Sie ihn im Original.

Die Beratungsfirma TTR – Transactional Track Record berichtete heute über die 1019 F&A-Transaktionen, die letztes Jahr in Brasilien stattfanden. Danach haben sich multinationale Firmen stark in Brasilien engagiert und sich das 119,75 Mrd. R$ kosten lassen. Insgesamt bewegten die 1019 Transaktionen 260 Mrd. R$ unter Einschluss der brasilianischen Firmen, die andere übernahmen. Dabei sind etliche Operationen nicht berücksichtigt worden, weil die mit ihnen verbundenen Werte nicht bekanntgegeben wurden. Von den 237 Transaktionen, an denen ausländische Firmen beteiligt waren, wurde z.B. nur für 109 der Wert publiziert. Die Liste dieser Firmen wird von der kanadischen Brookfield und der chinesischen StateGrid angeführt, von denen erwartet wird, dass sie auch im Jahr 2017 in Brasilien investieren werden. Brookfield hält in Brasilien Anteile an sechs Einkaufszentren, es waren aber schon mal vierzehn. Im laufenden Jahr wird sogar eine Belebung des M& – Geschäftes erwartet, weil ca. 60% der betrachteten 800 großen und mittleren Firmen Brasiliens nicht genug cash generieren, um die Zinsen ihrer Kredite zu zahlen.

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