Die Brasilianische Industrie baut weiter ab

Und weiter ab bedeutet, irgendwann wird sie bedeutungslos sein, wenn nicht gegengesteuert wird. Diese Graphik aus dem ESTADO DE SÃO PAULO vom 2.5. zeigt den Anteil der verarbeitenden Industrie am Gesamt – BIP Brasiliens von 2000 bis 2014:

Série Antiga = nach alter Berechnungsart    Nova Série = nach neuer Berechnungsart

Die Daten stammen vom IBGE, vergleichbar dem deutschen Bundesamt für Statistik, und wurden von der FIESP bekanntgemacht. Nach der durch das IBGE geänderten Berechnungsart hat die Industrie also nur noch 10,9 % Anteil am BIP Brasiliens. So sah dieser Anteil 2013 in anderen Ländern aus:

Interessant ist natürlich besonders der Vergleich mit Deutschland. In den letzten 20 Jahren hat die deutsche Industrie ihren Anteil am BIP fast unverändert gehalten. Das verarbeitende Gewerbehafte 2014 einen Anteil von 22,3 % am BIP, 1994 lag er bei 23,0 %. In der EU liegt der Wert mit 15,3 % deutlich niedriger, Frankreichs Industrie hat sogar nur 11,4 % und Großbritannien, die Wiege der Industrie, mit 9,4 % noch weniger.
Die „Berliner Zeitung“ kommentiert dazu: „Noch vor 15 Jahren galt Deutschland als ‚kranker Mann‘ Europas, der statt auf moderne Dienstleistungen auf Maschinen und Autos setzt. Heute ist die deutsche Industrie ein Vorzeigemodell, das viele Länder nachahmen möchten.“ Aber nicht immer können, denn China und die osteuropäischen Staaten werden immer mehr zu „Werkbänken der Welt“, wo sich vermehrt Firmen aus den alten Industriestaaten ansiedeln. Deshalb liegt der Industrieanteil am BIP in Tschechien mit fast 25 % und Ungarn mit 23 % höher als in Deutschland. 
„Da starke Industrien nur aus gewachsenen Strukturen entstehen können, ist es wenig erfolgversprechend, bestimmte Industriemodelle zu kopieren“, meint Eric Heymann, Industrie-Analyst der Deutschen Bank. 

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