Hubschraubereltern

werden Väter und Mütter genannt, die ihre Sprösslinge überbehüten. Das Gleiche gilt für Regierungen, die dies mit ihren Lieblingsbranchen machen bzw. mit den Wirtschaftszweigen, bei denen sich – nach Ansicht der Regierung – zuviel Wettbewerb von außen negativ (auf die Wähler der Regierungspartei) auswirken könnte. Mit Fug und Recht kann die Regierung Brasiliens heute als Hubschrauberregierung bezeichnet werden, die die Autoindustrie des Landes sorgsam von den Winden aus dem Ausland abschirmt.

Trotzdem ist Brasilien weltweit die Nummer 7, was die Autoproduktion angeht. Trotzdem deshalb, weil wir – ohne die genannte Protektion – mehr machen könnten. So exportieren wir zwar Autos, unser Rang im Weltmaßstab ist aber nur die Nummer 21, nur 15 % unserer Autoproduktion wird exportiert, weil wir nicht wettbewerbsfähig sind. Warum sollten wir uns auch anstrengen, gute und preiswerte Autos zu bauen, wenn die einheimischen Fahrzeuge anstatt 7 nur 3 % IPI zahlen, während bei importierten Fahrzeugen 30 % IPI zusätzlich zur normalen Besteuerung aufgeschlagen wird?

Ein weiteres Problem war / ist der Wechselkurs:

Solange der Real überwertet war, kauften sich die Brasilianer auch gerne mal einen Importwagen und machten so der einheimischen Industrie das Leben schwer. Auf der anderen Seite war es einfach, Autoteile zu importieren und billiger, als sie lokal zu kaufen. Was einigen Zulieferern das Leben oder die Selbständigkeit kostete, trotz der local content – Vorschriften. Selbst heute mit einem einigermaßen „normalen“ Wechselkurs sind im Lande hergestellte Produkte bis zu 30 % teurer als importierte, wegen der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit. Dies wird sich hoffentlich ändern, z.B. durch den schon spürbaren Mehreinsatz von Robotern in der Montage, beim Schweißen und Lackieren. Aber es bleibt viel zu tun (sagte Esso und packte den Tiger in den Tank), denn bei jährlich 3,7 Millionen produzierter Fahrzeuge in Brasilien und 136.000 Mitarbeitern der Fahrzeugbranche kommen wir auf nur 27 Fahrzeuge pro Mitarbeiter und Jahr. Mexiko baut nur 2,7 Millionen Fahrzeuge, aber mit 51.000 Mitarbeitern, kommt also auf 53 Autos pro Mitarbeiter und Jahr, also ca. doppelt soviel. Und die USA bauen 11 Millionen Fahrzeuge mit 178.000 Mitarbeitern, erreichen also 62 Fahrzeuge pro Mitarbeiter und Jahr. Der Exportquote von 15 % in Brasilien kann Mexiko 71 % entgegensetzen (wegen der USA als Abnehmer), während die USA auf 25 % kommen.
Also hoffen wir auf den frischen Wind des Wettbewerbes und dass die Regierung ihn in’s Land lässt!
EUROLATINA INTERNATIONAL LTDA.
Ihr Geschäftspartner in und für Lateinamerika