Brasilien in einer Identitätskrise?

Gott ist kein Brasilianer mehr ist ein Artikel über Brasilien überschrieben, Die WM – ein weißes UFO ein anderer. Lesenswert! 
Leider ist weit und breit keinen Staatsmann in Sicht, der das Land einigt und nicht wie die jetzige Präsidentin polarisiert. Ich war einige Tage geschäftlich unterwegs und habe in Rio und São Paulo mit Taxifahrern und Kellnern gesprochen. Alle übten harsche Kritik an der Regierung und Brasiliens Rolle als Gastgeber der Weltmeisterschaft, niemand will im Oktober PT wählen – da bleibt nur noch die Frage offen, wer denn die jetzige Regierungschefin gewählt hat? Und wer wird bei Meinungsumfragen angesprochen, deren Ergebnis – wenigstens vorläufig – noch ist, dass Dilma wiedergewählt wird?
Die Kritik, dass die Wirtschaft stagniert, Regierungsprogramme schlecht geplant und kaum umgesetzt werden, wichtige Reformen verschleppt und die allgegenwärtige Bürokratie und die damit einhergehende Korruption nicht energisch bekämpft und Bildungs- und Gesundheitswesen nur in der offiziellen Regierungspropaganda einen hohen Stellenwert besitzen, ist mehr als berechtigt. Nur hat der Einzelne das Gefühl, dass er ohnmächtig ist und nichts ändern kann. 
Gestern hat Guido Mantega die BIP-Zahlen des ersten Vierteljahres 2014 bekanntgegeben und gleichzeitig Schuldzuweisung geübt – nur an die eigene Nase wollte er sich nicht fassen. Nicht die Regierung sei verantwortlich für die mageren 0,2 % Wachstum gegenüber dem letzten Vierteljahr 2013, sondern die Trockenheit, der Wechselkurs und die Inflation. Schwamm drüber, diese Regierung hat keine Glaubwürdigkeit mehr, es lohnt sich nicht, solche Äußerungen zu kommentieren. Sehen wir uns lieber die Zahlen an:

Dass die Weltwirtschaft Schuld an Brasiliens schwachem Wachstum ist, entkräftet diese Graphik:

Die Inflation ist durch die Ausgabenpolitik der Regierung fast ungebremst, nur die erneute Anhebung der Basiszinsen SELIC auf 11 % im Jahr verhindert Schlimmeres, wobei 6 % Inflation schon schlimm genug ist! Wenn Sie in den link klicken, kommen Sie zu diesen Graphiken:

Bleibt nur noch die Hoffnung, dass die Präsidentschaftswahlen im Oktober eine radikale Kursänderung der Wirtschaftspolitik und nicht nur dieser ermöglichen und dass die Fußballweltmeisterschaft eine Euphorie in Brasilien auslöst, die sich positiv auf alle Lebensbereiche der Brasilianer auswirkt.

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